Mama
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Eins, zwei, high

Wenn Kinder Drogen nehmen

Früh übt sich, wer mal richtig high werden will. Wenn Kinder Drogen nehmen erfahren meine Freundinnen und ich das nicht, weil die Polizei an der Tür klingelt. Nein. Bei uns schrillen die Alarmglocken immer dann, wenn jemand bei Facebook mal wieder eine Rückrufaktion für Babyprodukte postet. Dann stehen uns die Schweißperlen auf der Stirn und wir machen alle panisch eine Kücheninventur.

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Wenn Kinder Drogen nehmen

„Habt ihr das gehört: Im Bio-Mehrkornbrei ist Tollkirsche gefunden worden. Hochgiftig! Ist doch unfassbar!“, klagt meine Freundin bei unserem Frühstück. „Wie kann das denn überhaupt passieren?“, „Da vertraut man Bioprodukten – und dann sowas!!!“, „Oh Gott, ich darf gar nicht dran denken, dass Moritz vielleicht in Lebensgefahr schwebt. Wir kaufen den ja auch immer!“ Meine Freundin schaut auf ihren Sohn herunter, der seltsam taumelig am Tischbein steht. Auch die kleine Emma macht nicht gerade den fittesten Eindruck – sie schaut putzig träumend aus ihrem Kinderstuhl durch uns hindurch. Huch! Meine Freundinnen sind besorgt und empört und wütend. Nur ich sehe das ehrlich gesagt ganz gelassen. „Mädels, ist doch nicht so schlimm, schließlich macht ja die Dosis das Gift.“ Wir lachen. Ich erinnere mich an kindliche Naturkundeexperimente und haue das Argument raus, mit dem ich jede Mutter um meinen ausgeschlafenen Finger wickeln kann: „Die beste Nebenwirkung von Belladonna-Konsum ist übrigens, dass man danach richtig gut schläft. Und ihr habt euch doch sicher schon gefragt, warum Moritz und Emma in letzter Zeit so gut durchschlafen!“ Meine Freundin grinst. „Na klar, wir haben die einfach so richtig zugedröhnt.“ Und zack – sind auf einen Schlag alle große Fans vom Bio-Tollkirsche-Brei. Wer jetzt noch denkt, die Regale in den Drogeriemärkten sind nach solchen Rückrufaktionen leer, weil der Hersteller alle Breipackungen wieder einsackt, der irrt. Die Täterin, die die letzten Mehrkornbrei-Päckchen aus dem Regal gezogen und zur Kasse balanciert hat, war nämlich eine Mutter mit tiefdunklen Augenringen: ich.

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Angewandt habe ich neben der Belladonna-Versuchsreihe außerdem (natürlich rein versehentlich) eine noch schonendere Schlafkur: Zum Abendbrei gibt’s immer Äpfel aus dem eigenem Garten, seit Monaten eingelagert im Keller und richtig schön mürbe. Die zerfallen im Mund und zergehen auf der Zunge. Auf den seltsam süßlichen Duft hat mich erst mein Mann beim Abendessen aufmerksam gemacht. „Sag mal, riechst Du das gar nicht? Die sind ja schon total vergoren!“ Ich probiere ein Stück Apfel und tatsächlich schmeckt es – uups! – nach Alkohol. Kein Wunder, dass Nora so gut schläft. Wenn Kinder Drogen nehmen…

Inzwischen machen wir uns aus solchen Schreckensnachrichten immer einen Spaß. Heute rief meine Freundin an und sagte: „Julia, ich weiß jetzt endlich, warum euer Vorgarten immer so unkrautfrei ist.“ Und ich: „???“ – Die Auflösung: „Na, du hast doch schon wieder die Bestände von diesem Baby-Früchtetee gekauft, die mit Pestiziden verseucht sind. Ganz schön clever…“ Das Gespräch habe ich unter einem Vorwand sehr schnell beendet. Denn den Früchtetee muss ich nämlich sofort besorgen. Das eröffnet ja ganz neue Möglichkeiten in der Gartensaison!

2 Kommentare

  1. Nadine sagt

    Vergorene Äpfel, 😀 . Sowas ähnliches ist mir aber auch schon mal passiert…

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