Mama, Zwerge
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So eine Kacke!

So eine Kacke!

Scheiße. So eine Kacke! Jetzt ist es mir schon wieder passiert. Ich bin in einen Hundehaufen getreten. Mit Karacho. Und mit meinen Lieblingsschuhen. Ausgerechnet! Warum das alles? Weil ich mal wieder gedankenverloren und verschossen meine im Kinderwagen strampelnde Tochter angelächelt und das rutschende Mützchen gerichtet habe. Noch schlimmer aber ist: Selbst wenn ich auf den Bürgersteig hätte schauen wollen – der Kinderwagen hätte mir glatt die Sicht versperrt.

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Ja, ich weiß. Ich bin ja selbst schuld. Weshalb bin ich auch nicht die zeitgemäße Art Mutter, die tagsüber in geleckten Shoppingcentern schwitzt und auf Bänken zwischen frisch abgestaubten Plastik-Gummibäumchen ihren Milchkaffee süppelt? Vielleicht ist genau das der Fehler. Denn ich war schon immer eine unersättliche Spaziergängerin. Kein Wald-und-Wiesen-Marsch war mir zu lang. Kein Vorort zu weit draußen. Kein Feldweg zu löchrig. Keine Regenwolke zu übergewichtig.

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Und doch frage ich mich, warum mir niemand helfen kann. Ich bin doch sicher nicht die einzige, der regelmäßig so ein ekliges Malheur passiert. Was ist denn bitte mit der ach so einfallsreichen Baby-Industrie? All diese Märkte sind doch bis zur Decke mit unnützen „Must-haves für die Erstausstattung“ vollgestopft. Es gibt ja sogar Baby-Überwachungssysteme mit LCD-Monitor, damit ängstliche Mamis ins stockdunkle Kinderzimmer lugen können, ohne mal eben über den Flur schleichen zu müssen. Selbstverständlich nachtsichtfähig, mit automatischem Weißabgleich und kompatibel für bis zu vier weitere Kameras. Nun schleiche ich zwar abends immer mal wieder über den Flur zum Kinderzimmer. Aber ja nicht tagsüber auf dem Bürgersteig.

Dort träume ich nur. Natürlich von meiner Tochter. Und neuerdings auch vom Kinderwagen-Security-Set mit GPS-Warnsystem, das mir per Satellitenbildchen gleich die Tretminen als Smartphone-Alarm sendet. Mit nervösem Hundegebell als Kack-Warnung und fröhlich dudelndem „Like Ice in the Sunshine“ als Speiseeis-Signal. Neu programmieren muss man dafür ja nichts. Ähnlich der Rückfahrkameras der Auto-Industrie genügt mir sogar ein kleiner TFT-Monitor am Eco-Leder-Schiebegriff meines Kinderwagens. Die Audio-Video-Sensoren für die Live-Übertragung könnte ich einfach an den Gepäckkorb klemmen. Und das dezente Headset würde mich frühzeitig zum Ausweichmanöver auffordern – nicht ohne dass ich meiner Tochter über die Lautsprecher in der Babywanne noch empfehlen kann, sich jetzt mal gut festzuhalten. Denn sonst rutscht ihr nicht nur die Mütze vom Köpfchen.

Doch dieses heiß ersehnte Hundekot-Frühwarnsystem wird wohl ein Tagtraum von mir bleiben, bis Daniel Düsentrieb mal Vater wird. Und so nehme ich regelmäßig alles mit, was die Gehwege in meiner gar nicht so verdreckten Heimatstadt zu bieten haben: die Pfützen im Frühling, geschmolzenes Eis im Sommer – gern samt klebriger Waffel, glitschige Blätter und Nacktschnecken im Herbst. Was der Winter zu bieten hat, darauf bin ich schon jetzt gespannt. Mir fröstelt beim Gedanken an Stiefel im Schneematsch. An knirschendes Streugut. Und an halbgefrorene Hundehaufen. So eine Kacke!

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