Mama
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Hilfe, mein Kind vergöttert Rolf Zuckowski!

Rolf Zuckowski

„Bald ist das Warten vorbei und das Fest beginnt…“ Das klingt nach Vorfreude auf Ostern? Pah, schön wär’s. Wir haben uns dank Rolf Zuckowskis Kinderhits musikalisch in der Weihnachts-Sackgasse festgefahren. Und da rauszukommen, ist selbst nach 12 Wochen kein Kinderspiel. Hilfe, mein Kind vergöttert Rolf Zuckowski!

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Denn während draußen die Krokusse ihre gelben Köpfe durch das grüne Gras stecken, die Vögel das Futterhäuschen meiden und in den Nistkasten einziehen, ist bei uns Trübsinn angesagt. Wir stecken mitten im kalten Entzug. Kaum ein Tag vergeht, an dem wir Rolf Zuckowskis „Weihnachtsbäckerei“ ignorieren können. Und wenn wir es doch schaffen, macht DJ Nora selbst die Anlage an und bekommt es wie von Zauberhand hin, dass die Adventsdeko-Hymne „Kleiner grüner Kranz“ in Diskolautstärke durchs Wohnzimmer wummst. Am besten ist es, man erwischt den Moment, kurz bevor sie den dringenden Wunsch nach Rolf äußert. Sie braucht dann schnell Ablenkung, wenn ihre Füße schon wieder trippeln, ihre Stimmbänder zittrig nach der täglichen Dosis lechzen. Schweißperlen stehen auf ihrer Stirn, die Augenlider flattern. Es ist hart. Besonders bei Autofahrten. „Mama, wo ist Rolf?!“, fragt sie dann energisch. Und wir singen statt „Winterkinder“ jetzt schon seinen Strand-Remix „Sommerkinder“. Macht’s das besser, sich mit nur einer Melodie durchs Jahr zu mogeln? Ich fürchte nicht.

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Was rät mir meine Selbsthilfegruppe?

Meine Freundinnen wären nicht meine Freundinnen, wenn sie nicht auch dieses Phänomen schon mit ihren Kindern gemeinsam durchlitten hätten. „Ich kenne das Problem sehr gut“, sagt meine Freundin verständnisvoll und erklärt: „Emma kann man dann mit Volker Rosin ablenken.“ Und ich starre ungläubig in die Runde: „Ist das Dein Ernst? Das ist ja noch viel schlimmer!“ Ich brauche Alternativen. Ernstgemeinte. Gute. Richtige. Erträgliche. Vielleicht sogar Ohrenschmeichler statt Heitschi-Bumbeitschi-Trallala-Frohsinn für IQ-lose Minimenschen. „Kennst Du die Giraffen-Affen?“, fragt eine andere Freundin. „Felix fährt total drauf ab und die sind wirklich richtig fetzig!“ Ja, ich kenne die Giraffen-Affen (Wer, bitte, denkt sich denn so einen Namen aus?!) Wir haben sie schon ausprobiert, aber als Ersatzdroge genügen sie Nora nicht. Zu wenig Kinderstimmen. Zu wenig schmissig, findet sie. Egal, ob Heike Makatsch Kinderlieder im Singer-Songwriter-Stil interpretiert, der Kinderliedermacher Matthias Meyer-Göllner seine Ode an den Hamburger Hafen singt oder Dendemann ein maskulines „Manah Mannah“ rappt – der Volltreffer war bei all den Ratschlägen noch nicht dabei.

Hilfe, mein Kind vergöttert Rolf Zuckowski!

Also geht es weiter wie bisher. Nora ist und bleibt ein Hardcore-Fan von Rolf. Sie rezitiert seine unverwechselbaren Texte. Sie spielt als Ein-Kind-Show alle Rollen der am Song beteiligten Kinder durch, als wäre es ein unvergessliches Kindertheater. Sie stimmt auf dem Waldweg plötzlich „Danke lieber Tannenbaum“ an, wenn sie die im Sturmtief shakende Nordmanntanne am Wegesrand sieht. Sie liebt Rollenspiele („Aber du bist Rolf Zuckowski, Mama!“), die ich besonders gern in vollen U-Bahnen durchexerziere. Fehlt nur noch der Loopschal aus Lametta. Wie unangenehm, meine Tochter und ich sind doch kein Trash-Performance-Duo!

Ich versuche mich zu erinnern: Wie hat das denn im vergangenen Jahr funktioniert? Ich habe noch von Weihnachten 2015 die frenetischen Rufe meiner zweijährigen Tochter im Ohr: „Weiasbäckaei, Mama!“ Sie konnte es noch nicht mal richtig aussprechen und war schon völlig angefixt. Komplett drauf auf Weihnachtsmucke. Auch im vergangenen Frühjahr sind wir „Die Weihnachtsbäckerei“ von Rolf Zuckowski monatelang einfach nicht mehr losgeworden. Daher hatte ich meine Musikfestplatte von vorn bis hinten durchgehört und ihr eine eigene Playlist gemacht. Kinderhits hält ja kein Erwachsener aus, verdammt! Wer hat sich denn so einen Quatsch ausgedacht? Irgendwann dann mochte Nora „Dicker Bauch“ von Deichkind, „Die Zuckerpuppe aus der Bauchtanzgruppe“ von Bill Ramsey und ihr Lieblingslied ist lange Zeit „Der Mond“ von Rocko Schamoni gewesen. Das müssen wir wieder auffrischen.

Als ich gerade darüber nachdenke, welche Hits ich ihr 2017 schmackhaft machen kann, klingelt das Telefon. „Juuule, du glaubst es nicht…“, ruft meine Freundin, die völlig außer Atem ist. „Ich stehe hier gerade bei unserer Karnevalsparty beim Kinderturnen. Weißt Du, zu welchem Lied die Dreijährigen hier kostümiert abgehen?“ Ich weiß es nicht. Und: Ich bin gespannt. „Die haben hier doch tatsächlich Apres-Ski-Hits angemacht und es läuft gerade ’Joanna – du geile Sau’! Ist das zu fassen?!“, empört sie sich. Für Dreijährige ist das tatsächlich weniger geeignet. Und für Eltern noch schlimmer als Rolf Zuckowski – sogar im März.

5 Kommentare

  1. Ach Danke, ich bin also nicht alleine! Rosalie hört unsere beiden LIEBLINGSKASSETTEN gerade auch rauf und runter. Dezemberträume… immmmmmmer und immer wieder. Ich bereue es ihr gezeigt zu haben, wie der alte Kassettenspieler funktioniert. Aber ehrlich gesagt, als Kind war Rolf auch MEIN Idol. Und ich habe mich wie Bolle gefreut, als ich ihn vor ein paar Jahren mal im Theater getroffen habe und er neben mir saß!! Liebe Grüße von Milena von http://www.hellrosagrau.de aus Hamburg

  2. Wiebeke sagt

    Im Auto hören wir zwar die 30 besten Frühlingslieder, aber mein Kleiner singt trotzdem lieber von der Weihnachtsbäckerei. Schöner Artikel und liebe Grüße aus Hannover!

    • Hallo Wiebeke,

      ich weiß gar nicht, ob es mich nun beruhigt, dass ihr auch noch am liebsten Weihnachtslieder singt. Oder ob ich es schön finde, dass ich nicht die Einzige mit diesem Schicksal bin 🙂
      Ganz viele liebe Grüße, Julia

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