Mama
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Hinter Gittern: Der Tannenknast

Das Fest der Liebe. Das Fest der Gemütlichkeit. Das Fest der hemmungslos aufgemotzten Wohnungen. Ich könnte platzen vor lauter Vorfreude: Weihnachten zu dritt! Da ist nur etwas, das meinen Enthusiasmus trübt: die gutgemeinten Ratschläge meiner Freundinnen.

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Streitthema Nummer Eins: der Weihnachtsbaum (ausgerechnet der!). „Waaaas? Du stellst eine echte Tanne ins Wohnzimmer? Etwa geschmückt?“ Ich nicke. Meine Freundin schüttelt ungläubig den Kopf. „Das kannst du nicht bringen. Überleg doch mal, was da alles passieren kann!“ Ich überlege. Und außer einem Baum, der mit einem krabbelnden Kind zusammenstößt, fällt mir so viel nicht ein. „Also wir hatten letztes Jahr den Baum in Emmas Laufstall“, sagt meine andere Freundin. „Da konnte sie nicht dran rütteln und es ist auch nichts kaputtgegangen.“ Ich bin entsetzt: „Na, wie stilvoll!“ Und denke: Das ist ja Nordmanntannenvergewaltigung! Angezählter Baum in Einzelhaft. „Unser Weihnachtsbaum steht auf der Terrasse, seit wir Kinder haben“, erzählt eine andere Freundin. „Das ist mir sicherer.“ Ich bibbere beim Gedanken ans Schmücken im kalten Dezemberwind. „Dann friert ihr euch ja den Arsch ab beim Kugeln aufhängen!“ Armer Baum. Arme Familie. Amputiertes Fest. Das kann doch nicht euer Ernst sein?

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Doch meine kinderreichen Freundinnen wären nicht meine liebsten Ratgeberinnen, wenn die Baumdebatte nicht noch abstrusere Formen annähme. „Also Stefan hat alle Zweige unter 50 Zentimeter Höhe abgesägt. Damit Moritz nicht dran ziehen kann“, sagt eine Freundin. W-H-A-T?! Wieder einmal bin ich froh, dass mein Mann weder bei der Feuerwehr ist, noch jemals etwas von „unerlässlichen Brandschutzmaßnahmen“ philosophieren würde. „Dann habt ihr wohl auch Plastikkugeln und batteriebetriebene LED-Kerzen…“, unke ich mit verdrehten Augen. „Naja…“, sagt meine Freundin. Okay, verstanden. Plastikkugeln kommen mir garantiert nicht in die Wohnung! Und Lichterketten höchstens, um den Kerzen einen früheren Feierabend zu gönnen. Ich kann nicht anders, als den Kopf zu schütteln.

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„Mädels, das ist doch total bescheuert! Dann hänge ich am besten eine Girlande aus Puffreistalern über die Zweige, damit Nora noch was davon hat, wenn mal etwas runterfällt… Oder getrocknete Apfelscheiben, die ich mit Sternförmchen aussteche, was?!“ – „Du lachst…“, sagt meine Freundin. Und an ihrem Blick lese ich ab, dass sie genau das alles schon vorbereitet hat, damit Felix keine Tannennadeln mampft und kein Kerzenwachs vom Teppich lutscht. Ich will es eigentlich nicht tun, aber ich muss auf den Tisch hauen. „Och neeee!“ Betretenes Achselzucken der wachsamen Mütter. „Dann stellt ihr euren Adventskranz ins Bücherregal und Kerzen grundsätzlich nur hoch oben auf Schränke? Bitte nicht!“ Und dann fallen mir etliche Baum-Eskapaden der vergangenen Jahrzehnte ein. Ich erinnere mich an Heiligabende, an denen der Hund an den Baum pinkelte. Oder den Abend, an dem Opa in den Baum stolperte – danach haben wir die Tanne ja auch nicht hinter einer Krückenbarriere gesichert oder in einen Rollstuhl mit Wegfahrsperre gestellt…

Trotzdem: Ich freu mich immer noch auf Weihnachten. Das Fest der Liebe. Das Fest der Gemütlichkeit. Und der Funktionalität.

3 Kommentare

  1. Claudia sagt

    Bei uns war es immer Oma, die in den Baum stolperte 🙂 Danke für den amüsanten Text!

  2. Michelle sagt

    Jaja, unser Christbaum war auch hinter einem Gitter gesichert. Sicher ist sicher. Aber gelacht habe ich über deine Glosse trotzdem 😀

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