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Mit Kind im Kinzigtal

Wandern im Schwarzwald

Mal Pause von allem machen – ohne Kind war das irgendwie einfacher. Nun habe ich ein Experiment gewagt: Winter-Wellness und Wandern im Schwarzwald. Mit Kind. Geht das? Und: Wie entspannend ist das überhaupt?

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Draußen kitzeln die Tannenspitzen an den Bäuchen der Regenwolken. Der Waldweg ist nass. Die hohen Tannen schunkeln im Herbstwind wilder als „Musikantenstadl“-Ultras. Zwischen ihren nackten Stämmen bahnen sich zwei nassgeregnete Kapuzen ihren Weg: Das sind Nora und ich. Eingemummelt bei falschem Wetter in richtige Kleidung, erkunden wir den Flößerpfad im Kinzigtal. Eines der schönsten Schwarzwaldtäler ist und bleibt doch sicher auch bei Regen schön – oder?

„Mama, was ist das?“, fragt Nora. „Hörst Du das auch?“ Ja, ich höre es. Hoch über uns kreischt ein Mäusebussard. Neben dem Waldweg plätschert das Wasser die Kinzig hinunter. Die Kinzig, das ist eigentlich ein 92 Kilometer langer Fluss – der größte, der aus dem Schwarzwald in den Rhein fließt. Hier, zwischen Alpirsbach und Ehlenbogen, ist er winzig. Das bestätigt uns schnell der Audioguide vom Flößerpfad, den wir beim Wandern hören: „Hier oben ist die Kinzig noch ein ganz kleiner Bach“, sagt der Verdingbub Michel. Er ist der (fiktive) Sohn eines Waldarbeiters und erzählt vom Leben im Kinzigtal um das Jahr 1850 herum. Damals, als sie Brennholzstücke in die Kinzig warfen, damit die Knechte es nicht schleppen mussten. Damals, als der Junge morgens um drei Uhr aufstehen musste, um Vieh im Wald zu hüten. Damals, als er die Forellen mit den bloßen Händen im Bach gefangen hat.

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Wandern im Schwarzwald

Blätter treiben in Pfützen. Nur wenige Bäume tragen noch ihr gelb leuchtendes Herbstkleid. Es ist grau und trist an diesem Vormittag. Eine junge Mutter mit schlafendem Baby im Cruiser joggt vorbei. Wir lächeln uns kurz an. Dann sprintet sie die abschüssige Passage durch die Tannen hinab. „Das ist genau mein Schulweg“, sagt Michel vom Audioguide. „Im Winter durch den Tiefschnee den steilen Hang hinunter.“ Der Arme! So idyllisch der Weg ist – schon im Herbst tut er mir leid.

Durch die Bäume blitzt der Vogtsmichelhof in Ehlenbogen, im Sommer ein beliebtes Ausflugsziel für Wanderer. Heute sind Sonnenterrasse und Kinderspielplatz auf der Anhöhe verwaist. Ein paar Ziegen heben ihre Köpfe, staksen neugierig einige Schritte zum Zaun, um zu schauen, wer sich bei dem Wetter herauswagt. Der Parkplatz ist leer. Die Vesperstube geschlossen. Wir mümmeln Kekse aus dem Rucksack und treten den Heimweg an. Vorbei an gestapelten Wänden aus Brennholz. Unter den schunkelnden Tannen hindurch. Im Slalom um braune Pfützen. Wandern im Schwarzwald eben.

Wandern im Schwarzwald

Seit 1095 gab es ein Benediktinerkloster in Alpirsbach – die Klosterkirche steht mitten im Ort. Foto: Julia Marre

Nach einer Weile kommen wir zurück nach Alpirsbach: ein Kloster, eine Brauerei, ein Flüsschen, in Schindeln und Fensterläden gehüllte Fachwerkhäuser, ein Bahnhof, eine Hauptstraße, ein paar Supermärkte und ringsum hohe Berge. Und – so ist das eben im Schwarzwald – Bäume. Überall Bäume. Wir kehren ins Klostercafé im historischen Zentrum des Orts ein. Vorweihnachtliche Dekorationsmassen sind auf der Fensterbank drapiert. Im Café scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Und spätestens beim Löffeln des Kartoffelsüppchens merke ich es: Die Zeit ist eine ganz andere Art von Zeit, so allein mit dem Kind, unterwegs, im Urlaub.

Wandern im Schwarzwald

Auch bei Regen eine Schönheit: Das „Luxus Ferienhaus“ am Dieboldsberg in Alpirsbach. Foto: Julia Marre

Als wir wenig später den steilen Hang am Dieboldsberg hinauf fahren, kommen wir den Wolken zum Streicheln nahe. Hier oben liegt es: unser luxuriöses Ferienhaus. Ein modern eingerichtetes, komfortabel ausgestattetes Doppelhaus mit viel Platz und noch mehr Spielmöglichkeiten. Hoch oben am Waldrand, wo sich Fuchs und Hase „Gute Nacht“ sagen. In den tief hängenden Wolken spielen die Tannen vor der großen Fensterfront Verstecken. Und drinnen spielen wir es auch: „Eins… zwei…. drei…. neun… ich komme!“, ruft Nora und sucht ihren Kuschelhasen, der sich – oh Wunder! – schon zum dritten Mal unter dem Esstisch versteckt hat. Ein geräumiges Ferienhaus bietet eben auch viel Platz zum Versteckenspielen, wenn das Wetter nicht allzu einladend ist. Der Sonnenschirm vor dem Wohnzimmerfenster hat in diesen Tagen umgeschult: auf Regenschirm. Der ideale Ausgangspunkt zum Wandern im Schwarzwald.

Wandern im Schwarzwald

Zur Begrüßung ein Obst-und-Keks-Büfett im „Traumferienhaus Schwarzwald“. Foto: Julia Marre

Und wir erkunden das Haus, in dem wir von einem Mutter-Kind-Büfett empfangen werden: Obst und Fruchtmus warten auf dem Esstisch. Und nach einem Picknick öffnet Nora jede Tür, jede Küchenschublade und jeden Schrank und schaut, was sich dahinter verbirgt. Im Bad staunt sie: „Danke, Mama, dass hier auch ein Töpfchen für mich ist!“ Sie strahlt. „Und ein Hocker zum Händewaschen, das ist ja stark!“ Dann richtet sie sich zwischen Kühlbox und Kaffeemaschine in der Küche ein, räumt die Schublade mit lustig-buntem Kinderbesteck aus und deckt den Tisch für ihre Puppen.

Und während gegen Abend die Regentropfen an die Fenster unseres erstklassigen Feriendomizils pluckern, lassen wir das Wasser in den Whirlpool rauschen. „Mama, guck mal, mit Licht!“, freut sich Nora und probiert fleißig alle Knöpfe durch. Um dann (leider) sehr schnell festzustellen, dass ihr das große Blubberbad doch ein wenig zu laut ist. „Lieber nur Licht“, stellt sie fest. Na gut, dann machen wir eben Disco-Baden.

Am Abend, als das Kind schläft, kriecht mir ein wenig Hilflosigkeit aus den Knochen. Im Stundentakt checke ich meine Mails. Wenig Neues. Und jetzt? Ich blättere in Flyern und Büchern und Urlaubsprospekten und Magazinen. Lese die Geheimtipps für den Schwarzwald-Urlaub. Dann mache ich das, was mir meine Flow-App empfiehlt: den Alltagsgeräuschen mehr Aufmerksamkeit schenken. Das Knacken der Holzscheite im Kamin. Das Ticken der Küchenuhr. Das Surren des Kühlschranks. Erst vor wenigen Tagen habe ich geschnaubt, als ich diesen Achtsamkeits-Tipp gelesen habe. Jetzt ist es herrlich. Dazu läuft leise gute Musik.

Wandern im Schwarzwald

Noch drei Geschosse hoch ist die Schenkenburg-Ruine an ihrer höchsten Stelle. Foto: Julia Marre

Am nächsten Morgen heißt es: Stoppersocken aus, Wanderschuhe an, es geht Wandern im Schwarzwald. Wir fahren nach Schenkenzell im oberen Kinzigtal – weiter geht es auf den Spuren der Flößer. Hier, wo die Kinzig schon breit durch die Wiesen rauscht, treffen wir den „Flößerbub“ Uli. Er erzählt uns im Audioguide vom harten Job seines Vaters vor mehr als 150 Jahren. „Flößen ist ein gefährliches Handwerk, sagt meine Mutter“, weiß Uli und berichtet vom Tod eines Flößers, der zwischen den Gespannen zerquetscht worden ist. Das Spiel mit den Naturgewalten war riskant. Das hat Uli auch beim Baden mit seinen Freunden im Schenkenzeller Weiher erfahren: Plötzlich schwappte in den Stausee eine riesige Flutwelle – ein Gewitter in den Bergen war schuld. Wären Uli und seine Freunde nicht gewarnt worden, hätte sie die Strömung einfach davongetragen.

Dagegen ist das Wasser auf der Kinzig an diesem Vormittag gemütlich unterwegs. Der Wind schubst die Wolken am Himmel zur Seite. Immer wieder lugt die Sonne hervor. Und wir laufen beim Wandern im Schwarzwald mitten im Tal auf einen steilen Hügel zu: Die Ruine der Schenkenburg, einer Höhenburg, thront vor und über uns. Schmale Pfade schlängeln sich den Berg hinauf. Die steinernen Stufen sind krumm und schief, die hölzernen Geländer wackeln. „Mama, halt mich fest“, sagt Nora und kraxelt die Naturtreppe hoch. Der Buggy muss aufgeben und mitten auf dem Graspfad parken: Zu steil, zu eng sind die Wege. Oben angekommen, sind wir auf Augenhöhe mit den Tannenspitzen der umliegenden Berge. Der Blick ins Tal lohnt sich. Und das Erkunden der Mauerreste aus dem 13. Jahrhundert ist noch schöner als Versteckenspielen. Wir ziehen unsere Mützen noch tiefer in die Stirn und wagen ein Picknick im Sturm. Über die Eisenbahnbrücke im Tal ruckelt ein Zug, der nach Spielzeug aussieht. Ich trinke einen Schluck warmen Tee, der im Rucksack den Berg hinaufgeschaukelt ist. Nora zückt ihre Trinkflasche. „Prost“, sage ich. „Auf uns.“ Ihre Haare zappeln im Wind und sie hebt ihr Fläschchen: „Prost, Mama!“ So fühlt sich Urlaub an.

 

Dieser Post ist entstanden auf Anregung von Traumferienhäuser Schwarzwald: Die Inhaber haben mir die Ferienwohnung für zwei Nächte kostenlos zur Verfügung gestellt und keinerlei Einfluss auf den Inhalt dieses Beitrags genommen.

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